Ist es ein Weg, den ich hier wähle? Oder ist es einfach nur eine neue Art etwas auszudrücken, das mir schon lange auf der Seele liegt? Darf ich diese Redewendung überhaupt nutzen?
Ich habe wirklich nicht das Gefühl, dass jene Denker, denen ich mich in dieser Zeit so sehr zuwende, guten Einfluss nehmen auf meine Vernunft.
Tatsächlich beeinflussen sie ein Gespür in mir, meine Intuition – manche von Ihnen würden seufzen, stirnrunzeln, ächzen, wenn sie dies wüssten. Meine Intuition, so mutmaße ich, ist jener Aspekt meines Verstandes, von dem ich mich bitte ein kleines bisschen distanzieren möge. Darum scheint es zu gehen. Das scheint der Kern vieler solcher anti-theistischer Argumentationen zu sein, die ich staunend wieder und wieder durchdenke, noch einmal durchlese, erneut anhöre.
Es ist so sehr schwierig beim Thema zu bleiben – im Gespräch, in Schrift, in Gedanken. Unentwegt bin ich mir versippter Ideen bewusst, verwandter Erkenntnisse. Zum Beispiel: Hätte ich mich nicht hineingestürzt in die englische Sprache und ihre Sprecher = die Anzahl meiner großen Aha-Erlebnisse verbliebe um einiges geringer! Mit allerlei Gedankengängen wäre ich gar nicht erst in Berührung geraten, andere vermöge ich schlichtweg in deutscher Form nicht zu erfassen (oder: wiederzuerkennen).
Ein gutes, ein bestätigendes Gefühl in mir – das ist meine Reaktion auf, beispielsweise, Sam Harris‘ Worte und Richard Dawkins‘ Interviews. Die bewegten Herren vermitteln: Es sei der menschliche Verstand, der das bewirkt, was wir mit den Worten Moral und Ethik zu ertasten versuchen; sie stellen es vor als eine kognitive Fähigkeit (und nicht als etwas, sagen wir, Dogma-abhängiges, Bibel-eigenes, Koran-gebundenes, von Religion stammendes...). Und ich nicke und denke: Ja, klar, wie soll es denn sonst sein?! Nett, dass das endlich mal wieder jemand beim Namen nennt. Aber warum ist dies notwendig, warum ist es anderen nicht auch offensichtlich? Wir haben 2010!
Es ist also nicht der Fall, dass ich meine Hausaufgaben machte, mir zu erarbeiten versuchte, wie sie zu diesem wissenschaftlichen Schluss kamen – und dann zustimmte. Nein, nein, nein! Was ich hier tue, ist: sie beim Wort zu nehmen. Ich genieße die ästhetisch befriedigende Form ihrer Erklärungen; ich glaube ihnen. Und so reißt es mich in Stücke, das Verb „glauben“. Verfickt noch eins!