
Ich hätte aber gern ein Gästebuch! Oder Blog-ähnliche Interaktivismen. Oder so. Aber ich hab's schon so oft per Marke Eigenbau probiert... und bin immer gescheitert. Und nun sag ich mir: Irgendwann bloggst Du so oder so. Überträgst alles, sobald Caprica-City Erfolge vorweist (die steigen auf BLOG-Technologie um). Und bis dahin machst Du Dir nicht die Mühe, ein Übergangsgästebuch zu recyceln.
Aber dann kommen Briefe wie dieser hier über StudiVZ-Kanäle... und dann steigt das schlechte Gewissen wieder in mir hervor... natürlich vor allen Dingen, weil ich ein Gästebuch haben müsste. Was ich nicht hab. Wie ich schon sagte. Und nun wiederhole.
Aber es ist nicht nur das: Ich fühle mich zudem schuldig, Zeit für ein solches Intro zu haben wie dieses - aber keine, den Brief zu beantworten (jedenfalls nicht diese Woche). Man kann so einen Brief nicht einfach soooo beantworten. Das geht nicht. Man muss ihn respektvoll behandeln, muss seine Struktur erkennen und darauf eingehen, muss jede einzelne enthaltene Mitteilung beantworten... alles andere wäre verkehrt und gehört in Baltars Phantasiewelt, if you know what I mean.
THE LETTER
Huhu Maja,
jetzt habe ich Deine schöne Homepage ausreichend besurft und da ich dort kein Gästebuch entdeckt habe (wie schön hab ich das jetzt geschrieben? Entweder ich hab keins gefunden oder es gibt keins, beides in einem Satz, also weder Schuldzuweisung, weil es keins gibt, noch Schuldbekenntnis, weil ich blind bin :) ) dachte ich mir, ich schreib Dir hier ne kurze Nachricht.
Deine Wortgalerie hat mir sehr gut gefallen. Ich find Dein Talent zu schreiben toll. Berührt haben mich zwei Texte. Der, über Deine Mutter (>>>) und der zum Thema "Wie schön wäre es gewesen, wäre ich niedergemacht worden für eine große, ehrliche Klappe. So wunderschön." (>>>)
Du schreibst da, dass Dein früheres Ich bzw. dessen Verhalten Dich anwidert. Das muss es nicht. Wichtig ist doch, dass Du erkannt hast, dass dieses Verhalten damals Dir gegenüber nicht richtig war und etwas daran ändern möchtest bzw. das schon geändert hast.
Ganz ehrlich? So toll ist es nicht, für seine große, ehrliche Klappe niedergemacht zu werden. Früher passierte mir das regelmäßig, heute habe ich gelernt, zu erkennen, wann ich besser ruhig bin, denn nicht jeder verdient meine ehrliche, große Klappe. Eine ehrliche, große Klappe ist heutzutage sehr schwer zu finden und noch immer sind nicht alle Menschen bereit dafür. Damals haben mich viele Menschen verletzt, weil sie meine ehrliche, große Klappe nicht ertragen konnten, die immer genau das sagte, was sie auf gar keinen Fall, nie niemals nicht hören wollten. Ich denke, das hat mein Bild von wahrer Freundschaft geprägt. Es war nämlich wirklich nur zum Kotzen, wenn sich die damals „besten“ Freunde, neue beste Freunde suchten, weil ich ja so gemein und böse war. Selbst in der Abizeitung stand ein Spruch darüber drin, dass ich schonungslos ehrlich bin und dass das aggressive Rot meines damaligen Autos sicherlich ein Zeichen dafür war. An die Schulzeit erinnere ich mich deswegen eher ungern. Da liegen zuviele Narben auf meiner Seele. Ich weiß auch nicht, inwieweit diese „besten“ Freunde von damals heute bereit wären für meine Ehrlichkeit. Selbst während meiner Ausbildung hörte ich immer, wie frech und vorlaut ich doch sei. Dabei war ich immer nur ehrlich und habe nie was auf mir sitzen lassen. Habe ich mal was verbockt, musste ich es zähneknirschend eingestehen, dass dem so war. Aber wurde ich ungerechtfertigter weise beschuldigt, dann wartete ich nur bis zum ersten Atemzug meines Gesprächspartners, bis ich loslegte. Ehrliche Menschen haben es einfach schwer im Leben. In jederlei Hinsicht. Das fängt bei Familie und Freunden an und hört im Beruf auf. Klar, habe ich mittlerweile gelernt, meiner Ehrlichkeit ein schönes Wortbild zu verpassen. Auch weiß ich, dass die Tonlage extrem wichtig ist und das kann man entsprechend steuern. Somit kann man anderen seine Meinung sagen, ohne dass der andere sich auf den Schlips getreten fühlen müsste. Tut er es dennoch, dann liegt es wohl eher daran, dass er Kritik an sich selbst im Allgemeinen nicht ertragen kann. Und da nützen die schönsten Wörter nichts.
Das Schöne an alldem ist jedoch, dass Anderssein gar nicht so schlimm ist. Ganz im Gegenteil, es ist was ganz tolles. Und die meisten Menschen würden sonstwas dafür geben, so zu sein, auch wenn sie das NIE zugeben würden. Aber Leute wie Du und ich, wir wissen das. Wir wissen das, wenn sie uns ansehen und denken, wir merken es nicht. Und Leute wie wir sind immer bereit sich weiter zu entwickeln. Manchmal macht das uns vielleicht Angst, aber meistens meistern wir das ziemlich gut. Und wenn wir auf die Nase fallen, dann stehen wir wieder auf, schauen, worüber wir gestolpert sind und gehen dann einfach weiter. Wir stolpern selten über die gleichen Dinge zweimal. Das, was damals war, muss uns heute nicht ärgern oder anwidern, aber es kann uns ein guter Ratgeber sein, in ähnlichen Situationen anders zu handeln und nicht nochmal so wie damals.
Warum ich das schreibe? Keine Ahnung, Deine Homepage hat mich dazu animiert und es lag mir auf dem Herzen.
Viele liebe Grüße
Grit
PS: Vermissen kann man wirklich nur Menschen, deren Anwesenheit man bewusst empfunden hat. Ich vermisse meinen Vater. Aber mehr vermissen würde ich meine Mutter, denn sie war die letzten Jahre ein sehr bewusster Bestandteil meines Lebens. Klingt das verrückt?
To be answered...